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„Gruss aus Essen“: Farbige Mehrbildkarte mit acht Ansichten von Villa Hügel bis Margarethenhöhe, gelaufen am 28.3.1942 von Essen an einen Privatdozenten in Mehren (Westerwald) mit Mischfrankatur und Werbestempel
Diese farbige Mehrbildkarte zeigt die Stadt Essen in acht kolorierten Ansichten auf dunklem Grund. Die Auswahl reicht von der Villa Hügel über den Hauptbahnhof und den Städtischen Saalbau bis zu den Siedlungen der Firma Krupp. In der Mitte steht in großen Lettern der Gruß „Gruss aus Essen.“ So entsteht ein kompaktes Porträt der Stadt zwischen Industrie, Bürgerstolz und Wohnreform.
Die Rückseite macht die Karte zu einem Postbeleg aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie lief am 28. März 1942 von Essen an Privatdozent Otto Westphalen in Mehren im Westerwald, über Asbach. Die Familie Dahlmann bestätigt darin ihre Ankunft zum 1. August, offenbar für einen Sommeraufenthalt. Frankiert ist die Karte mit einer Mischfrankatur aus zwei Markenserien: Hitler-Kopf 4 Pfennig blau und zwei kopfstehend geklebte Hindenburg-Marken zu je 1 Pfennig schwarz. Dazu kommt der Werbestempel „Vergiss nicht Strasse und Hausnummer anzugeben“.
Das Besondere auf einen Blick
- Mehrbildkarte mit acht farbigen Ansichten auf dunklem Hintergrund
- Mittiger Titel „Gruss aus Essen.“ in dekorativer Schrift
- Villa Hügel, Stammsitz der Familie Krupp
- Hauptbahnhof mit Uhrtürmchen und belebtem Vorplatz
- Städt. Saalbau mit Bogenportal und Turm
- Margarethe Krupp-Stiftung mit Brücke zur Gartenstadt Margarethenhöhe
- Kopstadtplatz mit Straßenbahnen und geschwungenem Geschäftshaus
- Panorama der Stadt mit Kirchtürmen und Schornsteinen im Abendhimmel
- Kettwigerstrasse mit Handelshof samt Straßenbahn und Passanten
- Krupp\'sche Kolonie Friedrichhof mit Giebelhäusern im Grünen
- Verlagsangabe „Verlag: A. P. i. E. 697“
- Mischfrankatur: Hitler-Kopf 4 Pfennig blau und 2 × Hindenburg 1 Pfennig schwarz, kopfstehend
- Gesamtfrankatur 6 Pfennig, nach gängigen Tariftabellen portogerecht für eine Inlandspostkarte 1942
- Stempel „ESSEN 28.3.42“ und Werbestempel „Vergiss nicht Strasse und Hausnummer anzugeben“
- An Privatdozent Otto Westphalen, Mehren Westerwald, über Asbach
- Mitteilung in deutscher Kurrentschrift, unterzeichnet „Familie Dahlmann“
Das Motiv: Essen in acht Bildern
Die Karte folgt einem klaren Rasteraufbau aus drei Spalten und drei Reihen. Jede Ansicht sitzt in einem eigenen Rechteck. Der dunkle Grund lässt die Farben kräftig hervortreten.
Linke Spalte
- Villa Hügel: Das große, mehrgeschossige Wohnhaus der Krupps thront auf einer Anhöhe. Dichte Bäume und gepflegter Rasen rahmen den Bau unter hellblauem Himmel.
- Krupp\'sche Kolonie Friedrichhof: Mehrfamilienhäuser mit steilen Giebeldächern stehen zwischen Wiesen und Bäumen. Das Bild zeigt den Werkswohnungsbau als ländliche Idylle.
- Kettwigerstrasse m. Handelshof: Fußgänger in langen Mänteln und Hüten bevölkern die Straße. Rechts erhebt sich der Handelshof, links fährt eine Straßenbahn.
Mittlere Spalte
- Hauptbahnhof: Der historische Empfangsbau zeigt reich gegliederte Giebel und ein kleines Uhrtürmchen. Auf dem weiten Vorplatz sind winzige Passanten zu sehen.
- „Gruss aus Essen.“: Der Titel bildet das Zentrum der Karte.
- Panorama: Ein erhöhter Blick über ein Meer aus Dächern. Kirchtürme und Fabrikschlote ragen in einen Himmel aus Rosa und Blau.
Rechte Spalte
- Städt. Saalbau: Der Konzert- und Festbau verbindet Historismus und Jugendstil. Ein Bogenportal und ein Turm prägen die Front.
- Margarethe Krupp-Stiftung: Eine steinerne Bogenbrücke führt in die Gartenstadt. Dahinter stehen einheitliche Wohnhäuser mit dunklen Dächern.
- Kopstadtplatz: Ein großes, geschwungenes Geschäftshaus mit vielen Fenstern beherrscht den Platz. Straßenbahnen und Passanten beleben das Pflaster.
Die Karte zeigt Essen bewusst als moderne Großstadt. Statt Zechen und Hochöfen stehen hier Repräsentationsbauten, Geschäftsstraßen und Wohnsiedlungen im Vordergrund.
Die Mitteilung: Sommerpläne im Kriegsjahr 1942
Die Familie Dahlmann bedankt sich für einen „lieben Brief“. Sie und ihr Mann freuen sich, dass der Empfänger „für uns Platz“ hat. Die Ankunft ist für den 1. August geplant. Am Rand steht ein Zusatz, der eine Uhrzeit nennt, gelesen als „Nachmittag um 2 Uhr“. Die Karte schließt mit „Es grüsst herzlich Familie Dahlmann“.
Der 1. August 1942 war ein Samstag. Die Planung vier Monate im Voraus spricht für eine Unterkunft während der Sommerferien. Der Westerwald galt als beliebtes Ziel für die Sommerfrische von Familien aus dem Ruhrgebiet. Gerade 1942 hatte eine solche Reise eine besondere Bedeutung, denn Essen lag bereits im Ziel alliierter Luftangriffe.
Oben rechts steht zudem eine kopfstehende handschriftliche Notiz, gelesen etwa als „26.4.42 …“. Möglicherweise vermerkte der Empfänger hier das Datum seiner Antwort. Der 26. April 1942 war ein Sonntag.
Die Frankatur: Zwei Markenserien auf einer Karte
- Obere Marke: 4 Pfennig blau aus der Freimarkenserie mit dem Kopfbild Adolf Hitlers
- Zwei kleinere Marken: je 1 Pfennig schwarz aus der Hindenburg-Serie, beide kopfstehend geklebt
- Summe: 6 Pfennig, das reguläre Porto für eine Inlandspostkarte
- Entwertung: Stempel Essen 28.3.42 und Werbestempel zur Anschrift
Solche Mischfrankaturen sind typisch für die frühen 1940er-Jahre. Die älteren Hindenburg-Marken blieben noch gültig, während die neue Serie bereits am Schalter verkauft wurde. Viele Absender brauchten so ihre Restbestände auf.
Historischer Hintergrund
Essen und die Familie Krupp
- Friedrich Krupp gründete 1811 in Essen eine Gussstahlfabrik.
- Unter seinem Sohn Alfred Krupp wuchs das Werk zu einem der größten Industrieunternehmen Europas.
- Essen entwickelte sich vom Landstädtchen zur Großstadt des Ruhrgebiets. Um 1940 zählte die Stadt rund 650.000 Einwohner.
- Die Firma prägte nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das Stadtbild: mit Werkssiedlungen, Stiftungen und Sozialeinrichtungen.
Villa Hügel
- Alfred Krupp ließ die Villa 1870 bis 1873 über dem Baldeneysee-Tal der Ruhr errichten.
- Das Haupthaus umfasst rund 270 Räume. Der umgebende Park ist etwa 28 Hektar groß.
- Bis 1945 diente sie der Familie als Wohnsitz und Repräsentationsort. Hier empfing man Kaiser, Könige und Staatsgäste.
- Heute ist die Villa Hügel ein Ausstellungs- und Veranstaltungsort.
Werkssiedlungen und Margarethenhöhe
- Krupp baute ab den 1860er-Jahren eigene Kolonien für seine Arbeiter. Friedrichshof gehört zu diesen Werkssiedlungen.
- Wohnraum, Gärten und Läden sollten die Belegschaft an das Unternehmen binden.
- 1906 gründete Margarethe Krupp anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Bertha mit Gustav von Bohlen und Halbach die Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge.
- Ab 1909 entstand nach Plänen von Georg Metzendorf die Gartenstadt Margarethenhöhe. Sie gilt als eine der ersten Gartenstädte Deutschlands.
- Den Zugang bildet die Margarethenbrücke über das Mühlenbachtal, die auf der Karte zu sehen ist.
Saalbau und Handelshof
- Der Städtische Saalbau wurde 1904 eröffnet und war das kulturelle Zentrum des Essener Bürgertums.
- Nach Kriegszerstörung und Wiederaufbau beherbergt das Gebäude seit 2004 die Philharmonie Essen.
- Der Handelshof gegenüber dem Hauptbahnhof entstand um 1912 als großes Geschäfts- und Hotelgebäude.
- Die Kettwiger Straße verbindet Bahnhof und Altstadt und war schon damals eine der wichtigsten Einkaufsstraßen der Stadt.
Essen im Frühjahr 1942
- Als Sitz der Krupp-Werke war Essen ein zentrales Rüstungszentrum des Deutschen Reiches.
- Im März 1942 flog die britische Royal Air Force mehrere Großangriffe auf Essen. Erstmals kam dabei das Funknavigationssystem „Gee“ zum Einsatz.
- Die Karte wurde nur wenige Tage nach einer Reihe dieser Angriffe abgeschickt.
- Bis Kriegsende wurde Essen zu großen Teilen zerstört. Viele der abgebildeten Bauten, darunter Hauptbahnhof und Saalbau, erlitten schwere Schäden.
- Die Karte zeigt die Stadt damit in einem Zustand, den es kurz darauf nicht mehr gab.
Die Freimarken der Zeit
- Die Hindenburg-Freimarken im Medaillon erschienen ab 1933. Paul von Hindenburg war von 1925 bis 1934 Reichspräsident.
- Ab 1941 löste die Deutsche Reichspost sie schrittweise durch die Freimarkenserie mit Hitler-Kopfbild ab.
- Beide Serien waren über längere Zeit parallel im Gebrauch.
- Eine Inlandspostkarte kostete nach gängigen Tariftabellen von 1932 bis 1946 durchgehend 6 Pfennig.
Werbestempel der Reichspost
- Die Reichspost nutzte Maschinenstempel mit Werbe- und Hinweistexten, um Absender zu erziehen.
- Der Text „Vergiss nicht Strasse und Hausnummer anzugeben“ sollte die Zustellung beschleunigen. Im Krieg fehlte es zunehmend an erfahrenem Personal.
- Pikant: Die Anschrift auf dieser Karte nennt weder Straße noch Hausnummer. In einem kleinen Dorf wie Mehren war das allerdings auch kaum nötig.
Mehren im Westerwald
- Mehren liegt im heutigen Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz.
- 1942 gehörte der Ort zur preußischen Rheinprovinz.
- Der Zusatz „über Asbach“ nennt das Leitpostamt, über das die Post den Ort erreichte.
- Die ruhige Mittelgebirgslandschaft machte den Westerwald zum Erholungsziel für Städter aus Rhein und Ruhr.
Der Titel „Privatdozent“
- Ein Privatdozent hat sich habilitiert und besitzt die Lehrbefugnis an einer Universität, jedoch keinen Lehrstuhl.
- Die Berufsangabe in der Anschrift war im Kaiserreich und der Zeit danach üblicher Ausdruck gesellschaftlicher Stellung.
Zur Plausibilität der Angaben
- Datum: Der Stempel nennt den 28.3.42, einen Samstag. Beide Markenserien waren zu dieser Zeit gültig. Die Angaben sind stimmig.
- Porto: 4 + 1 + 1 Pfennig ergeben 6 Pfennig. Nach gängigen Tariftabellen ist das portogerecht. Käufer sollten Tarif und Portoperiode anhand der Fachliteratur selbst prüfen.
- Kopfstehende Marken: Ob die Hindenburg-Marken absichtlich oder zufällig kopfstehend geklebt wurden, lässt sich nicht sagen. Eine besondere Bedeutung unterstellen wir nicht.
- Marken: Katalognummern, Farbnuancen und Papiersorten bestimmen wir nicht.
- Bildvorlage: Die Ansichten zeigen unter anderem den Handelshof und die Margarethenbrücke. Die Vorlagen entstanden daher wohl nach 1912. Die Karte selbst ist undatiert und wurde vor oder spätestens 1942 gedruckt.
- Kolorierung: Die Ansichten sind nachträglich koloriert. Farben wie der Abendhimmel im Panorama können gestalterische Zutaten sein.
- Verlag: Das Kürzel „A. P. i. E.“ steht möglicherweise für einen Verlag „in Essen“. Eine sichere Auflösung nehmen wir nicht vor.
- Schreibweise: Die Karte nennt „Friedrichhof“. Gebräuchlich ist auch die Form Friedrichshof.
- Empfänger: Über Otto Westphalen liegen uns keine weiteren Angaben vor. Ob er in Mehren wohnte oder dort Zimmer vermietete, bleibt offen.
- Notiz oben rechts: Die kopfstehende Notiz ist nur teilweise lesbar. Ihre Bedeutung ist unsicher.
- Handschrift: Die Lesung der Kurrentschrift ist nicht in allen Teilen gesichert.
Alle Angaben zu Verlag, Bildvorlage, Porto und Handschrift erfolgen daher ohne Gewähr.
Hinweis
Die Karte wird ausschließlich als zeitgeschichtliches und philatelistisches Dokument angeboten. Sie dient der historischen Dokumentation und Forschung im Sinne der Sozialadäquanzklausel (§ 86 StGB).
Zustand
- Gelaufen, Marken mit Tagesstempel Essen entwertet
- Werbestempel gut lesbar, teils über der Hindenburg-Marke
- Mischfrankatur aus drei Marken, zwei davon kopfstehend
- Mitteilung und Anschrift in blauschwarzer Tinte, gut erkennbar
- Kopfstehende Notiz oben rechts
- Bildseite mit kräftigen Farben auf dunklem Grund
- Karton altersgemäß getönt, warmes Beige
- Leichte Gebrauchsspuren
- Bitte beachten Sie die Fotos. Sie sind Teil der Beschreibung.
Sammlertipp
Die Karte vereint acht Essener Ansichten mit starkem Krupp-Bezug, eine portogerechte Mischfrankatur zweier Markenserien und einen Werbestempel der Reichspost. Dazu kommt ein persönlicher Brief über Sommerpläne im Kriegsjahr 1942, abgeschickt kurz nach den ersten Großangriffen auf Essen. Damit spricht sie gleich mehrere Sammelgebiete an.
Ideal ist sie für Sammler von Heimatkarten aus Essen und dem Ruhrgebiet, Mehrbildkarten, Krupp- und Industriegeschichte sowie Werbestempeln und Mischfrankaturen. Auch Heimatforscher aus Mehren, Asbach und dem Westerwald sowie Familienforscher mit Bezug zu den Namen Dahlmann oder Westphalen finden hier ein aussagekräftiges Dokument.
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